
Finale mit der H-Moll-Messe in St Johannis - Bachwoche bleibt beliebt
Zu Gast in Lüneburg: die Uelzener St.-Marien-Kantorei.
Am Ende der 27. Bachwoche kann ihr künstlerischer Leiter Claus Hartmann vollauf zufrieden sein. Die Qualität der Konzerte stimmte: Hartmann gelang es erneut, herausragende Solisten in die Stadt zu holen, dafür stand am Wochenende Wolfgang Dimetrik, Akkordeonist aus Österreich. Hartmann koppelte außerdem wie in all den Jahren zuvor Gastspiele mit Abenden, die Musiker aus der Region gestalten, was zum Finale mit der H-Moll-Messe auf gelungene Weise der Fall war. Und der Zuspruch des Publikums zeigt, dass es in Lüneburg durchaus ein Bedürfnis gibt, eine Bachwoche lieber jährlich als im derzeitigen zweijährigen Turnus anzubieten.
Das Finale in St. Johannis gestaltete ein Chor aus Uelzen. Das hat doppelten Hintergrund. Seit langem ist zum einen Claus Hartmanns Bachorchester mit der Uelzener Kantorei von St. Marien verbunden. Es gibt einen zweiten Grund dafür, dass nicht eine der für große Bach-Werke prädestinierten Lüneburger Kantoreien auftrat. Deren Leiter Joachim Vogelsänger (St. Johannis) bzw. Henning Voss (St. Michaelis) vertreten anders als Hartmann die Originalklangbewegung und verpflichten reine Barockorchester. So dirigierte nun Erik Matz in der recht gut besuchten Johanniskirche die für Chöre so reiche H-Moll-Messe.
Matz, bekannt als Leiter des preisgekrönten Hugo-Distler-Ensembles, führte seine große, um einige Lüneburger Stimmen bereicherte Uelzener Kantorei sehr aufmerksam. Er vertraute dem inneren Reichtum der Komposition, in der sich Bachs ganzes Spektrum zeigt, ebenso wie der Leistungsstärke seines Chors. Ob im breit angelegten Beginn, ob bei Rückgriffen auf Gregorianischen Choral, ob bei akribischem Fugenbau: Jederzeit wurde die Aufführung dem Ausdruckswechsel der Sätze gerecht. Die stärksten Akzente setzten im Chor die leuchtenden Soprane, aber Matz achtete genau auf das Klanggleichgewicht, auch mit dem Orchester. Sehr schön, wie sich da die ohnehin blitzblanken Trompeten in den Klang einwoben, auffällig aber die extrem knallende Pauke in den ohnehin forcierten Satzschlüssen.
Krönendes bot die starke Solistenriege, die am Ende nach einem passenden Moment der Stille so wie Chor, Orchester und Dirigent langen Applaus erhielt. Elisabeth Grafs Alt ist in jeder Lage gleichermaßen stark präsent, sie führt ihre warm timbrierte Stimme völlig sicher, sorgte mit dem "Agnus Dei" für ein gefühlvolles Zentrum - und sie nahm sich im Duett zurück. Leidenschaftlich der berührende Vortrag von Sarah Wegeners Sopran, beglückend ihr Zwiegespräch mit der Violine (Leonie Hartmann). Gleiches gilt für den brillanten Tenor Michael Connaire, auch Matthias Weicherts Bariton fügte sich angenehm ein. Bei den Solisten sind noch Flötist Manfred Seer hervorzuheben, Oliver Göske als Grund legender Cellist und am anderen Ende der Klangskala Michael Ohnimus mit Trompete und Corno da caccia.
Seer und Göske zählen wie manch andere(r) zu den langjährigen Stützen des Orchesters, mit dem Claus Hartmann im kommenden Jahr sein 40-jähriges Jubiläum als Leiter feiern kann. Leonie Hartmann, Tochter des künstlerischen Leiters, sitzt heute am ersten Pult. Sie steht damit für den Generationswechsel, der die von Hartmann vor 32 Jahren ins Leben gerufene Bachwoche erreicht hat. Für deren - langfristige - Sicherung ist Claus Hartmann ein so gutes Händchen wie bei seinen Solisten zu wünschen.
(Landeszeitung für Lüneburger Heide)